Übersicht 15 Ausstellungen
Alle Ausstellungen im Überblick
01
Die 61. Internationale Kunst Biennale mit dem Titel „In Minor Keys“ – Das kuratorische Vermächtnis von Koyo Kouoh
Die Kuratorin Koyo Kouoh verstarb im Mai 2025 unerwartet, nachdem sie das kuratorische Konzept bereits vollständig entwickelt hatte. Ihre Vision „In Minor Keys“ lädt dazu ein, in einen langsameren Gang zu schalten und sich auf die Frequenzen der Moll-Tonarten einzustimmen – eine bewusste Abkehr vom hektischen Lärm der Gegenwart. Koyo Kouoh, eine der einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen Kunstwelt, hatte die teilnehmenden KünstlerInnen bereits ausgewählt, die Ausstellungsarchitektur bestimmt und einen Dialog über die Werkauswahl begonnen. Ihr kuratorischer Ansatz versprach eine Biennale, die leise Töne hörbar macht und alternative Perspektiven in den Fokus rückt – eine poetische wie politische Geste in aufgewühlten Zeiten.
02
Marina Abramović in der Gallerie dell’Accademia
Ein historischer Moment für die internationale Kunstwelt: Marina Abramović, die Grande Dame der Performance-Kunst, wird 2026 als erste Frau mit einer monumentalen Einzelausstellung in der ehrwürdigen Gallerie dell’Accademia di Venezia geehrt. Die Ausstellung „Transforming Energy“ läuft parallel zur 61. Biennale Arte und markiert einen Wendepunkt in der 260-jährigen Geschichte des Museums. Als erste lebende Künstlerin erhält sie eine große Einzelausstellung in der Gallerie dell’Accademia di Venezia – zur Feier ihres 80. Geburtstags.
03
Ca‘ Pesaro: Jenny Saville – Erste große Einzelausstellung in Venezia
Die Internationale Galerie für Moderne Kunst im Palazzo Ca’ Pesaro in Venedig präsentiert eine bedeutende Retrospektive der gefeierten britischen Malerin Jenny Saville. Diese Ausstellung markiert Savilles erstes großes Solo-Event in der Lagunenstadt
04
Georg Baselitz: Goldene Helden auf San Giorgio Maggiore
Die Fondazione Giorgio Cini präsentiert vom 5. Mai bis 27. September 2026 Georg Baselitz‘ Eroi d’Oro: neue Goldgrund-Gemälde als Summe von 60 Malerjahren. Überlebensgroße Selbstporträts und seine Muse Elke schweben fragmentarisch auf flimmerndem Gold – zerbrechlich, doch erhaben wie Ikonen. Rückverweis auf die Helden-Serie von 1965, kuratiert von Luca Massimo Barbero.
05
Michael Armitage im Palazzo Grassi: Ostafrika trifft westliche Kunstgeschichte“ und im Obergeschoss zeigt der Künstler Amar Kanwar seine Meditation über Vergänglichkeit
Der in Nairobi geborene Künstler Michael Armitage zeigt eine umfassende Retrospektive seines zehnjährigen Schaffens. Kuratiert von Jean-Marie Gallais in Zusammenarbeit mit Hans-Ulrich Obrist, präsentiert die Ausstellung monumentale Gemälde, die Bezüge zu Ostafrika mit westlicher Mythologie und Kunstgeschichte verweben. Im Obergeschoss des Palazzo Grassi installiert der indische Regisseur Amar Kanwar seine monumentale Video-Installation „The Peacock’s Graveyard“. Das Werk lädt zur Meditation über die Vergänglichkeit und den Kreislauf des Lebens ein.
06
Lorna Simpson in Punta della Dogana: Erste große Europäische Retrospektive und im Obergeschoss: Paulo Nazareth
Rund fünfzig Werke aus vier Jahrzehnten künstlerischen Schaffens dokumentieren Simpsons beeindruckenden Werdegang: Von der konzeptuellen Fotografie der 1980er Jahre bis zur Malerei, die in den letzten 15 Jahren ihre Praxis dominiert. Die Ausstellung umfasst Gemälde, Collagen, Videos, Skulpturen und Installationen aus internationalen Institutionen, Privatsammlungen und dem Atelier der Künstlerin. Den zweiten Teil der Punta della Dogana bespielt der brasilianische Performance-Künstler Paulo Nazareth. Seit über 15 Jahren bereist Nazareth barfuß Amerika und den afrikanischen Kontinent – eine körperliche Hommage an seine versklavten Vorfahren und ein performativer Akt des direkten Kontakts mit der Erde seiner Ahnen.
07
Peggy Guggenheim Collection: Peggy ´s Londoner Vermächtnis in Venedig
Die Peggy Guggenheim Collection widmet ihr Programm 2026 zwei entscheidenden Kapiteln in Peggy Guggenheims Werdegang: Im Frühjahr erzählt „Peggy Guggenheim a Londra. Nascita di una collezionista" die kurze, aber folgenreiche Geschichte der Galerie Guggenheim Jeune und ihrer Avantgarde-Ausstellungen. Im Herbst rekonstruiert „Fucina degli Angeli. Peggy Guggenheim e il vetro artistico del Novecento" die Zusammenarbeit von Murano-Meistern mit Künstlern wie Braque, Calder, Fontana oder Picasso und zeigt, wie Glas zum Medium moderner Kunst wurde.
08
„Etrusker und Venezianer: Wasser, Kulte und Heiligtümer“ im Palazzo Ducale
Vom 6. März bis 29. September 2026 verwandelt der Palazzo Ducale den Appartamento del Doge in ein Portal zur vor-römischen Seele Italiens. Hier wird Wasser nicht als bloße Ressource enthüllt, sondern als pulsierende Urkraft: Lebensspender für Siedlungen, Träger göttlicher Offenbarungen und Architektin religiöser sowie sozialer Ordnungen bei Etruskern und Venezianern. Meere, Thermalquellen und Flüsse – von Pyrgi bis Altino – eröffnen ein faszinierendes Panorama des 1. Jahrtausends v. Chr., wo heilende Rituale und kulturelle Dialoge im Elementarfluss verschmelzen. Eine Einladung, die zeitlose Magie antiker Wasserwelten zu ergründen.
09
Anish Kapoor im Palazzo Manfrin
Der britisch-indische Bildhauer Anish Kapoor öffnet zum zweiten Mal die Türen seiner Foundation im Palazzo Manfrin in Cannaregio. Die Ausstellung versammelt rund 100 Architekturmodelle, monumentale Installationen und spiegelpolierte Edelstahlskulpturen aus fünf Jahrzehnten seines Schaffens – darunter ikonische Werke wie „At the Edge of the World II“ (1998) und „Descent into Limbo“ (1992). Kuratorischer Fokus liegt bewusst auf dem Prozess, dem Nicht-Realisierten und jenen Arbeiten jenseits der Marktlogik. Eine seltene Gelegenheit, Kapoors Raumdenken in seinem eigenen venezianischen Forschungsraum zu erleben.
10
Palazzo Pisani Moretta: Fondazione Dries Van Noten
Der belgische Modedesigner Dries Van Noten eröffnet seine neue Stiftung mit einer spektakulären Auftaktausstellung „Der einzige wahre Protest ist Schönheit“ im Palazzo Pisani Moretta am Canal Grande. Kuratiert von Van Noten und Geert Bruloot, versammelt die Schau über 200 Werke von mehr als 50 GestalterInnen aus Mode, Kunst, Design und Kunsthandwerk – in Dialog mit dem Rokoko-Interieur und den Tiepolo-Fresken des Palasts. Van Notens These: Schönheit als Akt des Protests.
11
Palazzo Grimani: Amoako Boafo
Der Museo di Palazzo Grimani zeigt die erste Einzelausstellung des ghanaischen Malers Amoako Boafo (geb. 1984 in Accra) in Italien. Produziert von Gagosian und kuratiert im Dialog mit der Renaissance-Architektur des Palazzo, zeigt die Schau auf der zweiten Etage eine Serie neuer Werke, die Boafo eigens für den venezianischen Kontext geschaffen hat. Bekannt für seine charakteristische Technik, bei der er Pigment mit den Fingern auf die Leinwand aufträgt, setzt Boafo die reiche Porträttradition Venedigs mit der zeitgenössischen Repräsentation schwarzer Identität in Beziehung. Eine eindringliche Begegnung zwischen Renaissance-Aura und gegenwärtiger Bildsprache.
12
Museo Fortuny: Erwin Wurm „Dreamers“
Das Museo Fortuny widmet vom 6. Mai – 22. November 2026 dem österreichischen Bildhauer Erwin Wurm seine erste große Einzelausstellung in Italien. Auf drei Etagen des Palazzo Pesaro degli Orfei treten die ikonischen One Minute Sculptures, die Serie Substitutes und die titelgebenden Dreamers – überdimensionale Kissen, getragen von menschlichen Gliedmaßen – in einen Dialog mit dem historischen Atelier Mariano Fortunys. Humor, Paradox und philosophische Schärfe verbinden sich zu einer der intelligentesten Ausstellungen der Biennale-Saison. Kuratiert von Elisabetta Barisoni und Cristina Da Roit.
13
Ama Collection: „Aura“
Eine alte Seifenfabrik, 500 Jahre Geschichte, ein visionärer Sammler: AMA VENEZIA ist mehr als eine Ausstellung – es ist ein Manifest. Laurent Asscher bringt mit seiner neuen Stiftung eine eindrucksvolle Sammlung nach Venedig Die Präsentation vereint internationale Positionen von den 1960er‑Jahren bis heute, darunter Werke von Jenny Saville, Ed Ruscha, Tino Sehgal, Arthur Jafa, Laura Owens und Christopher Wool. Zentral sind Savilles monumentale Körpermalerei, eine neue Arbeit von Ed Ruscha zu „Venice/Venezia“ sowie ein im Dunkeln erfahrbares, körperbasiertes Stück von Tino Sehgal; parallel bleiben weitere Arbeiten der AMA Collection zu KI, Technik und Reproduktion im Fabrikareal sichtbar.
14
Prada Foundation Venedig: „Helter Skelter“
In Ca’ Corner della Regina, dem venezianischen Ausstellungshaus der Stiftung, präsentiert Fondazione Prada die von Nancy Spector kuratierte Ausstellung Helter Skelter: Die Schau bringt zwei Schlüsselpositionen der zeitgenössischen Bildkultur – Jafa und Prince – in einen konzentrierten Dialog, der die Aneignung von Bildern aus amerikanischer Populärkultur, Film, Werbung und Social Media in den Mittelpunkt stellt. Jafa benutzt Video, Montage und Collage, um die afroamerikanische Erfahrung, Trauma und Kraft im visuellen Diskurs der USA sichtbar zu machen, während Prince mit provokanten Appropriations von Werbe‑ und Lifestyle‑Bildern die Muster der weißen, männlichen Identität und die dunklen Räume der amerikanischen Psyche ausleuchtet. In Venedig zeigen ihre Werke – teils großformatig, teils in Video‑ und fotobasierten Arrangements – eine dichte Bild‑Phantasmagorie, in der sich Fragen von Macht, Rasse, Konsum und Bildproduktion überlagern
15
„Tide of Returns“ im Ocean Space
Die TBA21–Academy eröffnet ihre Saison im Ocean Space mit einer eindrucksvollen Ausstellung über kulturelle Restitution, indigene Wissenssysteme und das Meer als Erinnerungsraum. In der ehemaligen Chiesa di San Lorenzo entfalten sich zwei ortsspezifische Installationen: From My Mother’s Country des Repatriates Collective – eine begehbare Dünenlandschaft aus rotem Sand aus Anindilyakwa Country, besiedelt von tausenden handgefertigten Figuren aus Muscheln und Textil – sowie Weaving Connections von Verena Melgarejo Weinandt, die koloniale Bilderwelten durch rituelle Geste des Flechtens und Waschens befragt. Kuratiert von Khadija von Zinnenburg Carroll.